Bedürftigkeit

und wie wir lernen können mit ihr gut umzugehen.

Hier, in diesem Blog soll es ja immer um Fragen gehen, die mich gerade beschäftigt, und auch dieses mal kam es ganz anders.

Dieses Mal sollte es um meine sexuellen Herausforderungen gehen und die passende Frage dazu. Jetzt geht es um Bedürftigkeit und wo sie herkommt und wie ich mit ihr umgehe.

Ich habe schnell gemerkt, dieses Thema will ich nicht mit dir teilen. Die Frage, die gleich danach kam: Warum will ich nicht über meine Sexualität sprechen? Eine Möglichkeit wäre, dass ich mich in diesem Bereich noch zu verletzlich fühle. Ich möchte nicht in meiner Verletzlichkeit und Bedürftigkeit gesehen werden, von niemanden. (eigentlich ja schon, aber das ist ein anderes Thema).

Was ich nicht sagen kann, beschäftigt mich am meisten. Was ich der Welt nicht zeige oder mitteilen kann, all das, was du nicht siehst, ist das, was mich am meisten beunruhigt.

Dazu fällt mir ein Zitat von Mr. Rogers ein: „Anything that's human is mentionable, anything that is mentionable can be more manageable. When we can talk about our feelings, they become less overwhelming, less upsetting, and less scary. The people we trust with that important talk can help us know that we are not alone”.

Auch alles, was ich mir selber nicht sehen oder zulasse will, vielleicht auch nicht zulassen kann, ist noch nicht manageable für mich. Wie Rogers sagt, wir brauchen Menschen, denen wir Vertrauen um ihnen die Sachen über uns zu erzählen. Ich vertraue dir hier meine Bedürftigkeit an, damit du weißt, dass du nicht allein bist, mit deiner.

Was könnte hinter meiner Bedürftigkeit stehen?

Ich habe eine große Sehnsucht und das Bedürfnis nach einer Liebesbeziehung / Partnerschaft. Sehnsucht nach Liebe, nach geliebt werden, nach Vertrauen, um lieben zu können. In mir ist eine große Sehnsucht nach Zuneigung/Anerkennung sowie Zuwendung/Berührung.

Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen Bedürfnissen, die jeder Mensch immer hat und Bedürftigkeit. Bedürfnisse haben wir alle jeden Tag und das ist normal. Bedürftigkeiten kommen aus der Vergangenheit und sind in meinen Worten: unerfüllte Bedürfnisse aus der Vergangenheit.

Ich bin mir darüber bewusst, dass viele meiner Sehnsüchte aus meiner Bedürftigkeit und meinem Mangel an „Liebe“, aus meiner Vergangenheit kommen. Mit dem Kopf habe ich es verstanden, dass es im Herzen ankommt, das dauert noch eine Weile.

Jetzt brauchte ich eben den Mut zu sagen, ich bin im Mangel und mir fehlt etwas. Denn dann bekommt der Mangel aus der Vergangenheit erst einmal mehr Raum in mir und ich darf spüren, wie es damals war, als ich meine Bedürfnisse nicht erfüllt bekommen habe und nichts dagegen tun konnte. Da kommt jetzt Trauer, Verzweiflung , Hilflosigkeit, darüber dass ich mich oft nicht gesehen gefühlt habe und meine Bedürfnisse oft gefühlt nicht nachgekommen wurde.

Wenn all diese Gefühle da sein dürfen und Raum bekommen und gefühlt werden, dann gesehen sie, nach einer Zeit auch wieder. Wenn ich meine Bedürftigkeit zulasse, besteht die Möglichkeit das ich meiner Realität näher komme, und ich mehr zu mir selber finde.

Ich bin für die Befriedigung meiner Bedürfnisse selbst verantwortlich. Keine Frau, nicht meine Eltern, auch nicht meine Freunde, können mich aus meiner Bedürftigkeit herausholen. Nur ich kann mich mit mir und meiner Bedürftigkeit beschäftigen, sie zulassen, sie spüren und ihr das geben was sie braucht. Eher gesagt meinen inneren Kindern das jetzt geben, was sie früher gebraucht hätten.

Was will meine Bedürftigkeit für mich? Ganz einfach: Die Erfüllung meiner Bedürfnisse. Ich brauche das Gefühl, geliebt zu werden, Geborgenheit, genug zu sein, zu wissen, dass es gut ist, dass ich da bin, gesehen und anerkannt zu werden, so wie ich bin, körperliche Nähe. All das kann ich mir, mit ein bisschen Übung selber geben.

Wie komme ich dahin, dass ich diese Gefühle fühlen kann. Es darf erstmal Platz geschaffen werden. Das heißt die alte Bedürftigkeit darf gefühlt werden.

Es beginnt mit dem Mut deine Bedürftigkeit zu spüren/fühlen. Ich höre gerne ruhige Musik dazu oder stelle mich mit meinem Auto in die Hügel Würzburgs. Der Bedürftigkeit Raum geben, einfach 10 Minuten deiner Bedürftigkeit widmen, Trauer da sein zu lassen oder für die Gefühle die kommen, da zu sein. Geb dir Zeit zu fühlen. Kümmere dich gut um dich während des Spürens und Fühlens (achte auf deinen Bedürfnisse). Wenn die 10 Minuten um sind oder wie lang du dir auch Zeit nehmen willst, dann kehre wieder zurück zu deinem Alltag. Vielleicht ist dann schon Raum für Neues entstanden. Raum den du jetzt aktiv gestalten kannst oder einfach da sein lassen kannst.

Wenn du Hilfe brauchst, beim Spüren ich bin für dich da. Ich begleite dich gerne auf deinem Weg raus aus der Bedürftigkeit. Ich bin Experte im Spüren und Fühlen.

Nur Mut

Dein Janik