Maybe I am not the One.

Selbstzweifel auf dem Weg in die Selbstständigekeit als systemischer Berater.

Eigentlich sollte dieser Text ein anderer werden, aber wie das in der systemischen Beratung oder in der Erlebnispädagogik so ist - Störungen haben Vorrang.

Diese kleine Geschichte hat gestern begonnen. Ich war bei meinen Eltern und dann ging es mal wieder um meine Zukunft und dass Selbständigkeit keine Sicherheit bietet.

Mir wurde geraten, noch eine Ausbildung zu machen, noch einmal zu studieren oder einfach einen Job zu machen, der gut bezahlt ist und der mir Sicherheit gibt. Und dass mir bei dem, was ich jetzt mache, niemand garantieren kann, dass es jemals funktionieren wird. Dass es von ganz vielen äußeren Faktoren abhängt, von mir und meiner Persönlichkeit, meinen Fähigkeiten, meinem Auftreten. Im Grunde ist das, was ich jetzt mache, unmöglich oder nur sehr schwer zu erreichen. Vielleicht möglich, aber zu einem hohen Preis.

Dann habe ich gerade eine Zusammenfassung der Filmphilosophie von Denis Villeneuve gesehen. Mit dem Untertitel: False Prophets & Heroic Suffering. (Like Stories of Old)

Da ging es im Großen und Ganzen darum, dass seine Figuren vor meist unlösbare Aufgaben gestellt werden, die sie anfangs, vielleicht auch ein bisschen übermütig, angehen. Im Laufe ihrer Reise stellen sie jedoch fest, dass sie sich verirrt haben. Bei Villeneuve ist es vor allem die dunkle Seite des Menschseins. Die Erkenntnis, wer sie geworden sind und wohin die Reise sie geführt hat, löst eine Identitätskrise aus. Die wiederum gelöst werden will. Die Illusion der Figuren, wer sie zu sein glaubten, zerbricht und sie erkennen, dass sie jemand ganz anderes sind.

Warum erzähle ich das jetzt? Weil es mir genau so geht. Ich sehe mich gerne als Hauptfigur in meinem Film. Ich sehe mich gerne als denjenige, der aus den vielen Beratern hervorgeht, als erfolgreich selbstständig. Ob das so ist, weiß ich nicht nicht mehr.

Ich frage mich, ob das in Zukunft wirklich alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, oder ob ich nicht doch wieder in ein festes Angestelltenverhältnis zurück muss. Dass ich vielleicht nicht derjenige unter den vielen Beratern bin, der von seiner Arbeit leben kann.

Das macht mich traurig und treibt mir die Tränen in die Augen, weil es meinen Traum in Frage stellt. Den Traum, den ich schon so lange verfolge. Der Traum, für den ich alles opfere. Mein Traum ist es, Berater zu sein, weil ich glaube, dass ich das gut kann und den Menschen helfen kann, sich selbst zu helfen. Nur wenn ich davon nicht leben kann, wird es schwierig, wenn Traum und Wirklichkeit aufeinanderprallen. Jeden Tag aufs Neue.

Deshalb ist es für mich im Moment echt schlimm. Desillusioniert zu sein von dem, was ich dachte zu sein, desillusioniert vor allem in Bezug auf meine selbständige Tätigkeit. Ich stelle in Frage, was ich dachte, was ich erreichen kann.

Desillusionierung an sich ist nichts Schlechtes, sie nützt mir mehr oder weniger, weil sie mich näher an meine wirkliche Realität bringt. Trotzdem tut sie weh.

So bin ich heute da.

Teile diesen Text gerne mit deinen Freunden, die Selbstzweifel haben oder lies ihn für dich noch einmal. Selbstzweifel sind normal, auch mein Gestalttherapeut hat Selbstzweifel, hat er mir gesagt. Selbstzweifel sind etwas Menschliches, der Unterschied beginnt damit, wie wir mit diesen Selbstzweifeln umgehen. Ich habe diesen Text geschrieben. Andere Wege kann ich dir in der Beratung bei mir zeigen.

Von Selbstzweifeln und Desillusion hin zu einem stabilen Ich.